
Mit dem Mut des Herstellers zu einem für die Biobranche eher ungewöhnlichen Markenauftritt kann er heute für sich mit Recht in Anspruch nehmen, das bis dato allgemein recht körnerhaltige Design in Bioläden revolutioniert zu haben. Seine Packungen hatten bei Einführung des Designs 2008 so gar nichts gemeinsam mit dem dort herrschenden Formen-Code naturfarbener (meist beige-blasser) Kartonagen im Handmade-Look inkl. serifenreicher Antiquaschriften, die allesamt ebenfalls wie bei Industrie-Nahrungsmitteln aus dem Computer kamen und nur als Simulationen von etwas Natürlichem dienten.
Heute haben viele Bio-Hersteller - auffällig parallel - ihr Design "weiterentwickelt": Der typische "Bioladen-Look" ist fast nur noch ein Relikt. Mit ein Grund, warum wir 2013 unser eigenes Konzept von 2008 relauchen durften. Und erneut sind wir auf die "inspirative Wirkung" gespannt.
Gänzlich verschwunden ist jedes Zitat einer vermeintlichen "Bio-"Attitüde im Markenrelaunch von Schnitzer 2013.
Im Zentrum steht die Leichtigkeit und Appetitlichkeit, das Frische und Natürliche - vor allem erreicht durch die sehr
klare, fast leichte Architektur, jeglicher Verzicht auf Angestrengtes, Konstruiertes, nur wenige Farben, wenige Schriften,
dann der offene und großzügige Umgang mit Weißraum und vor allem die hervorragende Fotografie.
Dieses System ist für zwei Produktlinien (organic und glutenfree, in grün und orange) konsequent übertragen auf alle Packungen,
alle Formate, auf Werbemittel und Messestände - im Sinne eines identitätsverdichtenden Markenbildes, das nun nicht nur
im Bioladen, sondern auch im LEH funktioniert. In über 16 Ländern.

Schnitzer Bäcker ist eine Submarke

"Frisch aus dem Backofen" - Leitidee bei der Gestaltung eines runden "Ofenfensters", das den Blick ins Zentrum auf das Produkt lenkt, es jedoch etwas verdeckt, eine räumliche Stufung erreicht und damit die Neugier weckt.
In der Vielfalt der Produkte sind Redundanzen sehr wahrscheinlich. Tausend Fliegen können sich nicht irren und so unterliegt die Gestaltung gerne dem Versuch, aus Sorge um die Verkäuflichkeit der Ware den Klischees zu folgen (gerade bei StartUps) - oder bewusst mit ihnen zu brechen. Eine Gratwanderung: Einerseits soll sich der Käufer "wohlfühlen" durch Vertrautheit, andererseits nicht langweilen durch Austauschbarkeit. Packungsdesign in der Verantwortung einer richtigen Balance.
Weil das glutenfreie Bier auch und vor allem im Ausland erhältlich ist, standen bei der Planung "klischee-deutsche" Signale im Mittelpunkt. Zwar ist gerade der Biermarkt während seiner Entdeckung neuer Zielgruppen (insbes. auch Frauen) extrem experimentierfreudig und stylisch geworden (z.B. Bier mit Grapefruit, schließlich gibt es auch Schokolade mit Curry), doch an Glutenallergikern geht solcherlei "Kür" an der Pflicht vorbei: ohne Schnörkel einfach ein gutes, kühles Glas Bier genießen ...